Wohnmobil vermieten – lohnt sich das 2026 wirklich?
Die ehrliche Antwort auf „lohnt sich das?" ist immer eine Rechnung, keine Pauschalaussage — und die richtige Rechnung hängt davon ab, in welcher Situation du dich befindest.
Zwei unterschiedliche Ausgangslagen
Die meisten Gelegenheitsvermieter besitzen ihr Wohnmobil bereits — für den eigenen Urlaub gekauft, und die Vermietung ist ein Zusatzverdienst obendrauf. Für diese Situation ist die entscheidende Frage: Trägt die zusätzliche Einnahme die zusätzlichen Kosten? Der Wertverlust des Fahrzeugs passiert ohnehin, ob vermietet wird oder nicht — er ist keine Folge der Vermietung, sondern des Besitzes.
Wer dagegen überlegt, ein (weiteres) Fahrzeug gezielt für die Vermietung zu kaufen, trifft eine echte Investitionsentscheidung. Hier zählt nicht nur, was an Cash übrig bleibt, sondern die tatsächliche Rendite auf das eingesetzte Kapital — inklusive Abschreibung. Genau diese Unterscheidung ziehen wir durch beide folgenden Beispiele.
Das Beispiel-Fahrzeug
Ein Kastenwagen für 45.000 € Kaufpreis, vermietet über PaulCamper zum Durchschnittspreis von 100 € pro Tag. Zwei Szenarien: ein Gelegenheitsvermieter mit 45 Vermiettagen im Jahr — realistisch für 4–5 Buchungen à rund 10 Tage — und ein aktiver Vermieter mit 110 Vermiettagen, ein reales Praxisbeispiel für gut ausgelastete Fahrzeuge.
So haben wir gerechnet — jede Position, keine Auslassung
Kalkulationen zur Wohnmobil-Vermietung lassen häufig Kostenpositionen weg — meist Versicherung, Wartung oder Wertverlust — und zeichnen dadurch ein zu positives Bild. Hier alle Positionen einzeln, mit Herleitung:
| Position | Ansatz |
|---|---|
| Vermittlungsprovision PaulCamper | 15 % vom Mietpreis |
| Plattform-Versicherung (pay-per-day) | ~28 € / Vermiettag |
| Eigene SFVV (ab ~80–90 Vermiettagen sinnvoll) | ~1.870 € / Jahr |
| Stellplatz / Unterstellung | 600 € / Jahr |
| Wartung & Instandhaltung | 700 € / Jahr |
| KFZ-Steuer, TÜV, Kleinreparaturen | 400 € / Jahr |
| Reinigung | durchlaufender Posten* |
| AfA (linear, 8 Jahre) | 5.625 € / Jahr |
*Reinigungskosten werden meist über die Reinigungsgebühr an den Mieter weitergereicht — kein echter Netto-Kostenpunkt, der Zeitaufwand bleibt aber. Provisionssatz laut PaulCamper-Helpcenter. Versicherungs- und Betriebskosten-Bandbreiten aus eigener Rechner-Logik sowie Marktvergleichen (u. a. rmp-verbund.de).
Szenario A: Du vermietest dein vorhandenes Wohnmobil nebenbei (45 Tage/Jahr)
Das Fahrzeug ist schon da — die Anschaffung war eine private Entscheidung, keine Investition in ein Vermiet-Geschäft. Relevant ist deshalb vor allem, was die Vermietung zusätzlich einbringt und kostet.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Umsatz (45 × 100 €) | 4.500 € |
| − Provision (15 %) | − 675 € |
| − Plattform-Versicherung (45 × 28 €) | − 1.260 € |
| − Fixkosten (Stellplatz, Wartung, Sonstiges) | − 1.900 € |
| = operatives Ergebnis (Cashflow) | 665 € |
665 € sind hier die relevante Zahl — das, was dir die Vermietung zusätzlich einbringt, nachdem alle laufenden Kosten dafür bezahlt sind. Der Wertverlust des Fahrzeugs läuft unabhängig davon weiter, ob du vermietest oder nicht — er ist keine Folge der Vermietung.
Steuerlich darfst du zusätzlich einen Teil der Abschreibung (AfA) als Betriebsausgabe ansetzen — bei privater Mitnutzung aber nur anteilig, im Verhältnis Vermiettage zu Eigennutzungstagen, nicht die vollen 5.625 €/Jahr. Das senkt deine Steuerlast etwas, ändert aber nichts an der wirtschaftlichen Grundfrage „lohnt sich der Zusatzaufwand".
Szenario B: Du schaffst ein Fahrzeug gezielt für die Vermietung an (110 Tage/Jahr)
Hier ist der Kauf selbst die Entscheidung, die auf dem Prüfstand steht. Auch bei einer gezielten Anschaffung ist Privatnutzung nicht ausgeschlossen — in diesem Beispiel gehen wir der Einfachheit halber von ausschließlich betrieblicher Nutzung aus. Damit zählt nicht nur, was an Cash übrig bleibt, sondern das Ergebnis nach Abschreibung — die tatsächliche Rendite auf das eingesetzte Kapital. Ab dieser Auslastung lohnt sich außerdem die eigene SFVV-Police gegenüber der Plattform-Versicherung.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Umsatz (110 × 100 €) | 11.000 € |
| − Provision (15 %) | − 1.650 € |
| − eigene SFVV + Stellplatz + Wartung + Sonstiges | − 3.770 € |
| = operatives Ergebnis (Cashflow) | 5.580 € |
| − AfA (voll, 100 % betrieblich) | − 5.625 € |
| = Ergebnis nach AfA | − 45 € |
− 45 € sind hier die relevante Zahl — nicht die 5.580 € Cashflow. Bei 45.000 € eingesetztem Kapital entspricht das einer Rendite von rund 0 %: Die Investition trägt sich bei dieser Auslastung gerade so selbst, wirft aber noch keinen echten Gewinn ab. Wer ein Fahrzeug speziell zum Vermieten kauft, sollte mit genau dieser Zahl kalkulieren — nicht mit dem Cashflow, der auf den ersten Blick deutlich besser aussieht.
Was diese Rechnung nicht zeigt
- Finanzierungskosten, falls das Fahrzeug nicht bar bezahlt wurde.
- Eigener Zeitaufwand für Übergabe, Kommunikation und ggf. Reinigung.
- Individuelle Faktoren wie Fahrzeugtyp, Region und Saison.
- Gewerbesteuer- und USt-Effekte — die hängen vom Einzelfall ab.
Fazit
Die Frage „lohnt sich das?" hat zwei verschiedene richtige Antworten. Vermietest du ein vorhandenes Fahrzeug nebenbei, zählt das operative Ergebnis — die Vermietung lohnt sich schon, sobald die Zusatzeinnahme die Zusatzkosten deckt. Kaufst du gezielt für die Vermietung, zählt die Rendite nach Abschreibung — und die fällt spürbar nüchterner aus. Wer sich die Frage „lohnt sich das für mich" stellt, sollte zuerst klären, in welcher der beiden Situationen er steckt, und dann mit den eigenen Zahlen rechnen statt mit Durchschnittswerten.
Genau diese Unterscheidung — inklusive beider Kennzahlen — rechnet unser kostenloser Lohnt-sich-Vermieten-Rechner für dich mit deinen eigenen Zahlen durch. CamperTax selbst zeigt die Wirtschaftlichkeit pro Fahrzeug automatisch auf, sobald du deine ersten Buchungen erfasst hast.
Häufige Fragen
Das hängt fast ausschließlich von der Auslastung ab. Bei wenigen Vermiettagen im Jahr deckt die Vermietung oft nicht einmal die Abschreibung. Erst ab einer höheren, planbaren Auslastung wird daraus ein spürbares operatives Plus.
PaulCamper berechnet Vermietern eine Vermittlungsprovision von 15 % des Mietpreises. Zusätzlich zahlen Mieter eine separate Servicegebühr.
Für ein Wohnmobil im mittleren Preissegment mit vollständiger Deckung (Haftpflicht, Vollkasko, Pannenhilfe, Insassenunfall) liegen realistische Jahresprämien meist zwischen 1.500 € und über 2.500 €. Angebote um 500–900 € decken in der Regel nur einen Teil davon ab.
Das hängt von der Ausgangslage ab. Vermietest du ein Fahrzeug, das du ohnehin besitzt, ist das operative Ergebnis vor AfA aussagekräftiger — es zeigt, was die Vermietung zusätzlich einbringt. Schaffst du ein Fahrzeug gezielt für die Vermietung an, ist die Investitionsentscheidung selbst der Gegenstand der Rechnung — dann zählt das Ergebnis nach AfA, also die tatsächliche Rendite auf das eingesetzte Kapital.
Steuerlich darfst du sie als Betriebsausgabe ansetzen — bei privater Mitnutzung aber nur anteilig, im Verhältnis Vermiettage zu Eigennutzungstagen, nicht die volle Jahres-AfA. Für die wirtschaftliche Frage „lohnt sich der Zusatzaufwand" ist sie aber meist zweitrangig, da der Wertverlust unabhängig von der Vermietung eintritt.

